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Gustav Doré — Comic-Zeichner

Luzern — Auch dieses Jahr verwandelt das internationale Comic-Festival Fumetto die Stadt Luzern wieder in eine grosse Leinwand für Zeichnerinnen und Geschichtenerzähler. Es gibt jedoch nicht nur junge Talente und renommierte Grössen der heutigen Zeit zu entdecken. Das Kunstmuseum Luzern wirft ein Schlaglicht auf die Vergangenheit des Comics und zeigt den wohlbekannten Zeichner Gustav Doré (1832-1883) in neuem Licht: Das erste Mal gibt eine Ausstellung Einblick in das karikaturistische Frühwerk Dorés, der vor allem als Illustrator von Werken der Weltliteratur bekannt ist – seine Illustrationender Bibel und Dantes ‹Divina Commedia› machen ihn schon zu Lebzeiten weltberühmt. Neben einer ganzen Serie dieser Illustrationen ist nun auch sein absurd witziges und oftmals gesellschaftskritisches Frühwerk ausgestellt, das ihn als Pionier des Comics kennzeichnet. 1847 spricht Doré erst 15-jährig mit seinen Zeichenheften beim Verlag Aubert in Paris vor. Charles Philipon (1800-1861), Mitbegründer des Verlags, leitet unter anderem die satirischen Zeitschriften ‹La Caricature› sowie ‹Le Charivari› und gründet ‹Le Journal amusant›, womit er herausragende Künstler wie Grandville, Honoré Daumier, Paul Gavarni, Traviès und Benjamin Roubaud beschäftigt. 1839 veröffentlicht er mit ‹La collection des Jabot› ausserdemdie erste Comic-Sammlung der Welt. Philipon erkennt auch Dorés Talent auf Anhieb und verkauft dessen Zeichnungen noch während dieser weiter zur Schule geht. Dabei wird Doré anfangs stark beeinflusst von Zeichnern wie Cham (1819-1879) und Grandville (1803-1847), deren Illustrationen er als Jugendlicher zu Übungszwecken kopiert und als Quelle der Inspiration nutzt.

Die von Jana Jakoubek und Simon Liberman kuratierte Ausstellung ist allerdings nicht nur sehenswert, weil sie Doré als Comic-Zeichner zeigt, dessen Bildgeschichten noch heute amüsieren und faszinieren. Die Entstehungsgeschichte des Comics ist auch aufschlussreich hinsichtlich der Medialität visuellen Erzählens sowie der Strategien von Bildgestaltung und Dramaturgie, die im 19. Jahrhundert aufkommen und in der heutigen Zeit ihre Fortsetzung finden. Dabei ist nicht ohne Grund vom «bilderverliebten 19. Jahrhundert» gesprochen worden, davon, dass der Mensch geradezu bild- und sehsüchtig geworden sei. Panoramen, die man von Stadt zu Stadt transportiert, werden vom Publikum bestürmt. Neue Instrumente und Apparate wie das Tele- und Mikroskop geben Einsicht in Welten, die dem unbewaffneten Auge verborgen bleiben. Die Laterna magica (Zauberlaterne) avanciert im 19. Jahrhundert zum Massenmedium, das den frühen Film massgeblich beeinflusst. Neue Medien werden jedoch nicht nur bestaunt und konsumiert, sondern auch reflektiert. Dies zeigt Dorés Frühwerk eindrücklich. Seine Bildgeschichte ‹Missgeschicke auf einer Vergnügungsreise› von 1851 ist in der Ich-Form erzählt und wie ein privates Reisetagebuch der Figur Monsieur Plumet gestaltet. Dabei erinnert Doré die Lesenden ebenso geschickt wie kontinuierlich daran, dass es sich beim Dargestellten nicht um reale, sondern um mediale Welten und Ereignisse handelt: Wenn Monsieur Plumet sein Heft zu Boden fallen lässt, breitet sich ein Fussabdruck über die ganze Seite aus. Eine Kuh, die eine Seite des Hefts durchbricht, reisst die Lesenden erneut aus der Geschichte. Und blickt Plumet durch ein Fernrohr, setzt sich just eine Fliege darauf, wodurch das Fernrohr als Medium der Beobachtung thematisiert wird. Seinen Abschluss findet ‹Missgeschicke auf einer Vergnügungsreise› bezeichnenderweise in einem Laterna magica-Vortrag von Plumet, der seine Erlebnisse einem interessierten Publikum präsentiert. 

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Dorés humorvolle Reflexion von Medialität und Erzählung sowie die geradezu protofilmischen Elemente seines Schaffens ihren Niederschlag im Kino finden. Tatsächlich ist der frühe Film wesentlich von Dorés Bildwelten inspiriert: Georges Meliès, der Erfinder des narrativen Films, verwendet Dorés Illustrationen des ‹Münchhausen› für seine berühmte Mondreise ‹Le Voyage dans la Lune› von 1902. Und, wie der Eingangsbereich zur Ausstellung zeigt, bedient sich auch Hollywood bei Doré: Der 1933 produzierte Film ‹King Kong und die weisse Frau›ist nicht nur ein Meilenstein der Filmgeschichte, der die Ära der Spezialeffekte einläutet. Einige Sets sind direkt von Dorés Illustrationen inspiriert, womit dessen Comics eine Spur vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart legen.

Institutions

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Kunstmuseum Luzern
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Luzern
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Fumetto
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Détails Name Portrait
Gustave Doré

Exhibitions / Events

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Gustave Doré - Exposition Luzern Suisse
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Luzern
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